Transfiction informiert Frauen über den Beruf Literaturübersetzerin

ber-IT ist ein Beratungszentrum in Kreuzberg/Neukölln, in dem sich Frauen zu den Themen Beruf, Bildung und Bewerbung sowie zu ihrer Selbstpräsentation im Internet informieren und beraten lassen können. Karen Witthuhn hat dort im vergangenen Jahr bereits einen Vortrag zu verschiedenen Theaterberufen gehalten und wird am 6. Dezember über den Beruf der literarischen Übersetzerin informieren.

Transfiction als Beruf

Im Laufe der dreijährigen Existenz von Transfiction ist mittlerweile ein gewisser Schatz an Erfahrungen, Erlebnissen, Ereignissen und oft auch Erfreulichem zusammengekommen, von dem ich Frauen, die sich für diesen Beruf interessieren, berichten werde. Nicht nur weiß ich selber inzwischen, dass man diesen Beruf auch studieren kann, ich habe bereits einigen hitzigen Debatten zum Sinn oder Unsinn eines Übersetzerstudiums beigewohnt. Die einen schwören darauf, die anderen sagen, dass andersweitig erworbene Landes-, Sprach-, Lebens- und Literaturerfahrungen einen erst zu einer vollwertigen Übersetzerin machen können, und betonen die „persönliche Note“ im Vergleich zu dem angeblich normierenden Effekt eines Studienganges. Ich als Quereinsteigerin nicke notgedrungen zu der „persönlichen Note“, nehme aber gerne und gierig auch die Angebote des LCB, des VdÜ und des Deutschen Übersetzerfonds wahr, um mich in Stilistik, Grammatik und vielen anderen Dingen weiterzubilden. Irgendwie beruhigt es doch, wenn man mit einiger innerer Sicherheit über Alliteration, Allegorie und Onomatopöie (mit)reden kann.

Englisch als Ausgangssprache macht es einem auch nicht unbedingt einfacher, denn Englisch kann ja jeder. Eigentlich. Irgendwie schon. Und so passiert es dann in Übersetzerseminaren, dass bei allen anderen Sprachen ausschließlich am Zieltext, also der deutschen Übersetzung, gearbeitet wird, nur beim eigenen Text sind auf einmal alle Augen aufs Original geheftet. Und alle reden mit. Und wissen Bescheid. Und man gerät mitunter in größere Not, das Original und seinen Autor zu rechtfertigen, als die eigene Übersetzung. Übersetzern aus dem Farsi, Hindi oder Georgischen ist dieses Problem eher unbekannt.

Zudem ist Englisch nicht gleich Englisch. Ich erinnere mich nach wie vor gern an die Übersetzung eines Theaterstücks eines  Dramatikers aus Singapur. Der Text war auf Englisch geschrieben, allerdings waren die Figuren zum Teil chinesischer, zum Teil malaiischer Abstammung, also kamen Worte aus diesen Sprachen vor, die in Singapur zur Alltagssprache gehören, mir aber nicht bekannt waren. Auch tauchten häufig Satzumstellungen und altmodische Begriffe auf, und ich fragte mich: Ist das normal oder ist das eine Kunstsprache? Zum Glück war der Autor nur eine E-Mail entfernt, also schickte ich ihm eine lange Liste an Fragen und eine noch längere mit chinesischen etc. Vokabeln mit der Bitte um Übersetzung ins Englische. Es dauerte keine zwei Stunden, da entdeckte ich einen facebook-Eintrag des Autors, dass seine deutsche Übersetzerin ihn nach einem bestimmten chinesischen Wort gefragt hätte, darunter ungefähr 36 sehr amüsierte Kommentare. Das Wort war ein ziemlich vulgärer Ausdruck für das weibliche Geschlechtsteil. Meine nächste E-Mail, in der ich schrieb, dass ich gerne zur Erheiterung beitrage, aber doch Antworten auf meine Fragen brauche, wurde sehr schnell und höflich beantwortet. Seitdem schlage ich dem Übersetzerfonds immer mal wieder Übersetzerwerkstätten in Singapur, Südafrika oder Neuseeland vor.

Neben Anektdotischem werde ich den interessierten Frauen über das nach wie vor problematische Thema Honorierung berichten. Auch nach drei Jahren im Beruf, mit einem viel längeren Vorlauf als nebenberufliche Übersetzerin, ist das finanzielle schwarze Loch eine drohende Realität, selbst wenn man stetig und ausreichend mit Aufträgen betraut ist. Rosemarie Tietze, derzeitige August-Wilhelm-von-Schlegel-Gastprofessorin an der FU Berlin, hat dies in ihrer inspirierenden Antrittsvorlesung eindringlich und bildhaft beschrieben, aber am deutlichsten ist mir folgender Satz im Gedächtnis geblieben: „Langweilig wird einem in diesem Beruf nie.“ Schon deswegen werde ich ihn nicht aufgeben.

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